QuelleVCS Zürich blockiert Ikea im Aargau
Rekurs gegen Bauprojekt in Spreitenbach - Möbelhaus droht mit Wegzug ins Ausland
Der VCS Zürich hat dem VCS Schweiz die Vollmacht für einen Rekurs gegen einen Neubau der Ikea im aargauischen Spreitenbach abgerungen. Die Aargauer Regierung und Ikea-Vertreter sind entsetzt.
Francesco Benini
Ikea Schweiz plante einen Neubau in Dietikon im Zürcher Limmattal. Die Zürcher Sektion des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS) rekurrierte gegen das Projekt; der Fall ist beim Zürcher Verwaltungsgericht hängig. Ikea lancierte daraufhin nur wenige hundert Meter entfernt ein neues Bauprojekt, im aargauischen Spreitenbach, wo das Möbelhaus seinen Schweizer Hauptsitz hat. Auch aus diesem Vorhaben wird vorerst nichts. Laut zuverlässigen Quellen hat der VCS Schweiz den Sektionen der Kantone Aargau und Zürich die Vollmacht erteilt, Rekurs beim Verwaltungsgericht des Kantons Aargau einzulegen. Der VCS Schweiz wird am Montag darüber informieren.
Die erste Rekursinstanz, der Aargauer Regierungsrat, hatte die Zahl der Parkplätze des geplanten Neubaus stark reduziert, von 1100 auf 700; an verkaufsstarken Tagen darf Ikea das Angebot um 190 Parkplätze erweitern. Vor einem Monat stimmte das Aargauer Kantonsparlament, der Grosse Rat, dem Nutzungsplan für den neuen Ikea- Hauptsitz zu, mit 159 gegen 7 Stimmen. Der VCS Aargau sandte in der Folge Signale aus, die darauf schliessen liessen, dass er von einem weiteren Rekurs absieht. Geschäftsführer Martin Bossard sagte dem «Tages-Anzeiger», es gelte einerseits den Druck der Öffentlichkeit zu berücksichtigen, der seit dem Stadionstreit in Zürich gestiegen sei; zudem seien die Anwaltskosten hoch. Dem VCS waren nach dem erstinstanzlichen Rekurs, in dem er teilweise Recht erhielt, Anwaltskosten von 50 000 Franken auferlegt worden.
Jetzt kommt alles anders. Treibende Kraft hinter dem neuen Rekurs ist Gabriele Petri, Geschäftsführerin des VCS Zürich. Sie bearbeitete mit Erfolg die Aargauer Sektion und reiste mehrmals nach Bern, wo sie Mitglieder des VCS-Zentralvorstandes auf ihre Linie brachte. Der Zentralvorstand will die Verbandsbeschwerde eigentlich weniger rigide anwenden als Petri, kann sich mit diesem Kurs aber nicht durchsetzen. Im schwelenden Machtkampf innerhalb des VCS gewinnt die Zürcher Sektion allmählich die Oberhand. Petri stösst sich daran, dass Ikea in Spreitenbach fast so viele Parkplätze erhalten soll wie in Dietikon, wo das Neubauprojekt eine mehr als doppelt so grosse Nutzfläche vorsieht. Sie ist überzeugt, dass das Umweltrecht in allen Kantonen gleich anzuwenden ist und die Projekte in Spreitenbach und Dietikon mit demselben Massstab gemessen werden müssen. Petri lehnt auf Anfrage jegliche Stellungnahme ab.
Ganz anderer Ansicht als die Hardlinerin der Zürcher VCS-Sektion ist der Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler (fdp.). Er betont, dass der Kanton Zürich weniger Parkplätze pro Quadratmeter Nutzfläche erlaube als der Kanton Aargau. Beyeler wehrt sich dagegen, dass Gabriele Petri die Zürcher Bestimmungen auch im Kanton Aargau anwenden will. Es handelt sich für ihn um eine Frage der kantonalen Hoheit. «Ein Weiterzug des Rekurses würde mich treffen», sagt Beyeler.
Mit Unglauben reagieren Vertreter der Ikea auf die Nachricht vom neuen Rekurs. «Der VCS Aargau hat uns sogar zum guten Ergebnis der Abstimmung im Grossen Rat gratuliert», erklärt Hans Kaufmann, Direktor der Ikea Immobilien AG. Ein Rekurs wäre für ihn eine «riesige Enttäuschung». 100 Millionen Franken könnten nicht investiert werden. Der Chef von Ikea Schweiz, Christer Granstrand, droht mit dem Wegzug ins Ausland. «Wenn wir unsere Geschäftsideen nicht in der Schweiz realisieren können, geht das Investment in andere Länder.» Weitere Erklärungen will er erst abgeben, wenn der VCS-Rekurs offiziell ist.
Unglaublich, dass man wegen ein paar Parkplätzen eine Investition von über 100 Millionen und hunderte von Arbeitsplätzen gefährden kann.
VCS fällt in letzter Zeit vermehrt negativ auf


