Fischotter (Lutra lutra ) sind in der Schweiz ausgestorben - oder besser: Gezielt ausgerottet worden. Im Zoo Zürich ist nach mehrjährigem Unterbruch wieder ein Jungtier zu sehen.
Dreissig Zentimeter geballte Energie: Das ist Dumna, das drei Monate alte Fischotterbaby im Zoo Zürich. Unermüdlich saust die Kleine durchs Wasser, überkugelt sich, stupst neckisch Mutter Alisha und ist schon wieder hinterm nächsten Felsvorsprung verschwunden. Das Publikum ist entzückt.
Das war auch schon anders. 1930, als im Zoo Zürich die erste Fischotteranlage eröffnet wurde, schmissen Zoobesucher Steine auf die Tiere, drei wurden getötet. Erstaunlich sei das nicht, sagte Kurator Robert Zingg am Mittwoch vor den Medien: Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert war ein gezielter Feldzug auf den «Fischschädling» im Gang, verordnet per Bundesgesetz von 1888.
Prämien für tote Fischotter
1889 bis 1931 wurden 2098 Prämien für erlegte Tiere ausbezahlt; durchschnittlich 50 getötete Tiere jedes Jahr. Als der Fischotter in der Schweiz 1952 unter Schutz gestellt wurde, waren noch etwa 100 Tiere übriggeblieben. Diese fielen Wilderern, aber auch Gewässerverbauungen und dergleichen zum Opfer. 1989 wurde zum letzten Mal eine Fischotterspur entdeckt.
Duma ist am 14. August zur Welt gekommen. Die Kleine war etwa 15 Zentimeter lang, ein blindes, taubes und zahnloses Häufchen in einem silbrig schimmernden Pelzchen. Ihre Mutter kam vor einem Jahr aus Polen. Sie war mit ihren Geschwistern neben ihrer toten Mutter gefunden und in einem Zoo aufgezogen worden.
Vater Yoran kam 2000 aus Novosibirsk nach Zürich. Kurz vor der Geburt wurde er von seiner Familie getrennt und lebt nun allein in der benachbarten Anlage. Dies passt ihm gut: Fischotter sind laut Zingg Einzelgänger. Der Zoo Zürich beteiligt sich an der Wiederansiedlung der Tiere in der Schweiz.
Ungeliebte Steinmarder
Fischotter gehören zu den Marderartigen. Auch andere Vertreter dieser Tiere leben im Zoo - wenn auch nicht in Gehegen: Steinmarder, Iltis und Hermelin werden vom reichen Futterangebot angezogen. Der grösste, der Dachs, bleibt dagegen draussen.
Das Hermelin, das am liebsten Mäuse frisst, ist ein gern gesehener Gast, wie Zingg erklärte. Nur selten stehle es ein Meerschweinchen. Der Iltis vergreift sich hin und wieder an Zootieren. Er wird in Fallen gefangen und weit weg vom Zoo wieder ausgesetzt.
«Ein etwas getrübtes Verhältnis», so Zingg, haben die Zooverantwortlichen zum Steinmarder. Er holt Enten und Jungvögel, räumt Vogelnester aus und macht auch vor Gänsen und Eulen nicht Halt.
Es habe schon Jahre gegeben, in denen sich Steinmarder 20 Mandarinenten holten. Mit speziell gesicherten Brutanlagen und Aufzuchtgehegen versucht man grösseren Schäden vorzubeugen.


