Servicezeit Familie WDR (Sendung vom 10. März 2004)
Es geht von allein: Nutzlose Lauflernhilfen für Kinder
Von Arne Birkenstock
Eltern fördern ihre Kinder: Die lieben Kleinen sollen früh lesen, früh rechnen und natürlich auch früh laufen. Um den Übergang vom Krabbeln zum Laufen zu beschleunigen, werden so genannte Lauflernhilfen angeboten wie „Gehfrei“, „Hopser“ oder „Lauflernwagen“. Aber deren Nutzen ist bescheiden, manchmal sind sie sogar gefährlich.
Ein „Gehfrei“ ist gefährlich
Beim „Gehfrei“ zum Beispiel (auch unter dem Namen „Babywalker“ bekannt) werden die Kinder in eine Art Hose gesetzt, die von einem Gestell gehalten wird. So sitzt das Kind in aufrechter Position, während die Beine den Boden berühren. Und obwohl es noch nicht richtig laufen kann, kann das Kind durch den Raum „rutschen“, was viele Eltern für eine gute Übung halten.
Kinderärzte und andere Experten raten allerdings stark vom Gebrauch dieser „Gehfrei“-Geräte ab. Immer wieder passieren damit Unfälle, da sich die Kinder plötzlich frei bewegen können, aber noch nicht in der Lage sind, Gefahren abzuschätzen. Über 80 Prozent der Unfälle sind Treppenstürze. Aber auch Türschwellen, Leisten oder Teppichwellen können zu Stolperfallen werden. Und da die Kleinkinder in den Geräten fixiert sind, kommt es dabei häufig zu schweren Kopfverletzungen.
Die höhere Sitzposition birgt auch andere Gefahrenquellen, zum Beispiel ist die Küchenherdoberfläche plötzlich in Reichweite der Kleinen. Die Stiftung Warentest kam schon 1997 zu dem Ergebnis, dass bei allen getesteten „Gehfrei“-Geräten vom Kauf abzuraten ist.
Lauflernhilfen verdienen ihren Namen nicht
Dazu kommt: Lauflernhilfen sind nicht nur gefährlich, sondern auch noch hinderlich für die motorische Entwicklung des Kindes. Neue Studien beweisen: Kinder, die „Gehfrei“-Modelle benutzen, lernen im Schnitt später laufen als Kinder, die diese Geräte nicht haben! Ein Team von Wissenschaftlern an der Universität Dublin fand heraus, dass Kinder für jeden Tag, den sie in den Lauflernhilfen verbringen, durchschnittlich 3,3 Tage später laufen lernen.
„Durch die Fixierung in den „Gehfreis“ wird die Rotationsbewegung bei den Kindern eingeschränkt, und sie können sich nicht natürlich bewegen. Sie lernen nicht, das Gleichgewicht bei einer seitenwechselnden Verlagerung des Körpergewichts zu halten, was Voraussetzung für das freie Laufen ist“, erklärt Dr. Stephan Waltz, Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums der Städtischen Kinderklinik Amsterdamer Straße in Köln. Ähnlich verhält es sich mit den so genannten „Hopsern“ oder den Kinderwippen. Bei den Hopsern, die an Türrahmen festgeschraubt werden, ist die Unfallgefahr zwar gering. Aber auch hier können sich Kinder nicht frei und damit auch nicht natürlich bewegen, da sie ihr eigenes Gewicht nicht tragen müssen. Die beliebten Kinderwippen, in die Kinder gesetzt werden, sind ebenfalls schädlich für die Entwicklung des Laufenlernens, denn sie fixieren das Kind und hemmen die Rotationsentwicklung. Und gerade das freie Herumrollen auf dem Boden ist wichtig, damit sich die Muskulatur der Kleinkinder entwickelt und sie anfangen zu laufen.
Fördern, aber richtig
Auch nicht notwendig, aber zumindest nicht schädlich, sind Lauflernwagen. Hier schiebt das Kind einen Wagen vor sich her, muss sich aber vorher von allein daran hochziehen. Dennoch: „Kinder lernen von alleine laufen“, sagt Dr. Waltz. Sie entwickeln sich in ihrem eigenen Tempo weiter, bis sie sich an Tischen oder Stühlen entlanghangeln. Eltern können diese natürliche Entwicklung unterstützen, indem sie einen kleinen Hindernisparcours einrichten: Kissen, Kartons und Kindermöbel bieten Festhaltepunkte, an denen sich Kinder festklammern und über den Boden schieben können. Irgendwann kommt dann der Tag, an dem die Kinder nicht mehr auf dem Boden krabbeln, sondern plötzlich neben einem stehen – ganz ohne Lauflernhilfen.
Stiftung Warentest über Lauflernhilfen:
http://www.warentest.de/...
Englischsprachige Studie der Universität Dublin:
http://www.ucd.ie/news/jun02/walkers.htm
Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der ServiceZeit Familie vom 10. März 2004 wieder.
Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.
– Alle Angaben ohne Gewähr –
Lauflernhilfen
Lauflernhilfen
Ruhe ist eine Sonderform der Bewegung.
Ich hab damit die Erfahrung gemacht, dass Kinder die dadrin gesessen haben später viel auf Zehenspitzen laufen. Mein Cousin hat auch dadrin gesessen und läuft teilweise mit 16 Jahren immernoch sehr stark auf Zehenspitzen.
Wenn du einmal angerufen werden willst, brauchst du nur in die Badewanne zu gehen!
ein guter artikel!!!
unser kleiner hatte einen wagen, den er vor sich herschieben kann, bekommen. da wurde spielzeug eingeladen und damit fing er an zu laufen. unser kleiner gehört zu den vorsichtigen kindern, die sich nicht einfach auf alles drauflosstürzen und so konnte er, ohne grosse "unfälle" laufen lernen. den wagen schiebt er heute noch oft vor sich her. jetzt dient er aber wirklich nur noch als ladefläche ;o)
ein gehfrei hatten wir auch aber da hab ich ihn nur etwa 2 mal reingesetzt, gerade aus den gründen die im artikel zu lesen sind.
unser kleiner hatte einen wagen, den er vor sich herschieben kann, bekommen. da wurde spielzeug eingeladen und damit fing er an zu laufen. unser kleiner gehört zu den vorsichtigen kindern, die sich nicht einfach auf alles drauflosstürzen und so konnte er, ohne grosse "unfälle" laufen lernen. den wagen schiebt er heute noch oft vor sich her. jetzt dient er aber wirklich nur noch als ladefläche ;o)
ein gehfrei hatten wir auch aber da hab ich ihn nur etwa 2 mal reingesetzt, gerade aus den gründen die im artikel zu lesen sind.

